„Geht nicht, gibt’s nicht“ – FDP Husum entwickelt abgelehntes Bürgerbeteiligungsportal einfach selbst
Nach politischer Ablehnung im Hauptausschuss präsentiert die FDP mit „Dein Husum“ eine eigene digitale Beteiligungsplattform. Ab sofort können Bürgerinnen und Bürger Ideen einreichen, Vorschläge bewerten und bei Umfragen mitmachen.
Was im vergangenen Jahr noch an der politischen Mehrheit im Husumer Rathaus scheiterte, hat die FDP Husum jetzt in Eigenregie umgesetzt: Mit dem digitalen Bürgerbeteiligungsportal „Dein Husum“ stellt der Ortsverband eine Plattform vor, auf der sich Bürgerinnen und Bürger unabhängig von Sitzungsterminen in die kommunalpolitische Diskussion einbringen können.
Bereits im Frühjahr 2025 hatte der FDP-Stadtverordnete Skade Nielsen Niquet beantragt, ein entsprechendes Portal als offizielles Angebot der Stadt einzurichten. Die Idee: Bürgerinnen und Bürger sollten eigene Vorschläge einreichen, über Anliegen abstimmen und sich durch regelmäßige Umfragen an der Meinungsbildung beteiligen können. Nach Darstellung der FDP lehnten CDU, SPD, Grüne, SSW und Wählergemeinschaft Husum den Vorschlag im Hauptausschuss im Juli 2025 ab. Der Antrag stand am 10. Juli auf der Tagesordnung des Gremiums.
Gut ein Jahr später stellt die FDP nun eine selbst entwickelte Lösung vor.
„Das geht nicht, sagte man uns. Das sei zu schwierig, zu aufwendig und zu teuer. Leider wussten wir das nicht – und haben es deshalb einfach selbst gemacht.“, erklärt Skade Nielsen Niquet, Vorsitzender der FDP Husum und Stadtverordneter. „Wir hätten eine gemeinsame Lösung der Stadt ausdrücklich bevorzugt. Wenn die politische Mehrheit diesen Weg aber nicht gehen möchte, zeigen wir jetzt, dass Bürgerbeteiligung trotzdem möglich ist, wenn man das möchte. Die FDP möchte das.“
Von der Bürgeridee zur politischen Antwort
Unter www.deinhusum.de können Husumerinnen und Husumer ab sofort eigene Ideen für ihre Stadt einreichen, bestehende Vorschläge unterstützen oder ablehnen und darüber diskutieren. Ergänzend ermöglichen Umfragen zu kommunalpolitischen Fragestellungen ein differenziertes Stimmungsbild.
Die Ergebnisse können nicht nur insgesamt, sondern auch nach Stadtteilen und Altersgruppen ausgewertet werden. Eine Installation ist nicht erforderlich; die Plattform ist sowohl auf dem Smartphone als auch am Computer nutzbar.
Eine Besonderheit: Die FDP verpflichtet sich nach ihrem Konzept, auf jeden eingereichten Vorschlag mit einer nachvollziehbaren politischen Position zu reagieren. Ob Zustimmung, Ablehnung oder eine differenzierte Haltung – die Bürgerinnen und Bürger sollen erfahren können, wie die Partei zu ihren Ideen steht und warum. Der Bearbeitungsstand einzelner Vorschläge soll ebenfalls sichtbar sein.
Die Plattform ist ein Angebot der FDP und kein offizielles Beteiligungsportal der Stadtverwaltung. Abstimmungsergebnisse dienen als Stimmungsbilder und ersetzen keine Entscheidungen der gewählten kommunalen Gremien.
Bürgerbeteiligung darf nicht an der Rathaustür enden
Mit der neuen Plattform greift die FDP auch die damalige Diskussion im Hauptausschuss wieder auf. Nach ihrer Darstellung wurde dort unter anderem darauf verwiesen, dass die Telefonnummern der Verantwortlichen bekannt und die Ausschusssitzungen öffentlich seien. Ein zusätzliches digitales Werkzeug wurde demnach nicht für erforderlich gehalten.
Nielsen Niquet hält diesen Ansatz weiterhin für unzureichend. Aus seiner Sicht sollte die Möglichkeit, sich in die Kommunalpolitik einzubringen, nicht davon abhängen, ob jemand persönlich im Rathaus erscheinen kann. Gerade Berufstätige, Eltern, Schichtarbeiter und Menschen mit Pflegeverantwortung könnten nicht ohne Weiteres an Ausschusssitzungen teilnehmen.
„Erklären Sie doch mal der alleinerziehenden Mutter, dass sie keine Meinung haben darf, wenn sie es wagt, unter der Woche um 17 Uhr keine Zeit für eine Ausschusssitzung zu haben. Genau auf diese Haltung habe ich keine Lust mehr. Wir brauchen eine Kommunalpolitik, die sich an den Lebensrealitäten der Menschen orientiert und nicht umgekehrt. Wer mitreden möchte, soll das auch dann können, wenn die Kinder im Bett sind oder der Feierabend erst um 21 Uhr beginnt“, erklärt Nielsen Niquet.
Mit „Dein Husum“ will der Ortsverband deshalb einen zusätzlichen, dauerhaft verfügbaren Zugang zur Kommunalpolitik schaffen.
Die FDP Husum lädt alle Bürgerinnen und Bürger ein, sich ab sofort unter www.deinhusum.de einzubringen, eigene Ideen für ihre Stadt einzureichen, über Vorschläge abzustimmen und an Umfragen teilzunehmen.